Wenn ich Artikel wie »Verbrecher für eineinhalb Stunden« lese, komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Ich verstehe nicht, warum »die Filmbranche« regelmäßig nach neuen Gesetzen und Reformen schreit, die das Streaming von Filmen auf Websites unterbinden sollen. Denn machen wir uns nichts vor: Selbst wenn in einer Urherberrechtsreform das Streamen ausdrücklich verboten wird, werden weder Anbieter noch Nachfrager von der Bildfläche verschwinden.
Man versucht etwas aufzuhalten, was längst nicht mehr aufzuhalten ist. Man versucht stur auf einer Stelle stehen zu bleiben, anstatt das eigentliche Problem und das damit verbundene enorme Potenzial zu sehen. Anstatt selbst aktiv zu werden und davon zu profitieren.
»Allein den Schaden durch Kino.to beziffert die Generalstaatsanwaltschaft Dresden auf eine siebenstellige Euro-Summe – das Filmportal rangierte im Ranking des Serverdienstes Alexa auf Platz 45 der beliebtesten deutschen Internetseiten und soll zuletzt täglich vier Millionen Besucher verzeichnet haben.«
Okay, überlegen wir mal kurz: Schaden in einstelliger Millionenhöhe. Täglich vier Millionen Besucher. Böte man nun vonseiten der Filmindustrie einen guten Streaming-Dienst an und würde auch nur 99 Cent für das Abspielen eines Films kassieren, und würde auch nur ein Teil der Millionen Besucher sich tatsächlich einen Film anschauen … Ja, genau, dann hätte man nicht nur den angeblichen Verlust ausgeglichen, sondern würde noch ziemlich gut an der Sache verdienen.
Ein nicht zu verachtender Nebeneffekt wäre, dass die illegalen Streaming-Websites schnell an Popularität verlieren würden. Denn wer schaut sich schon gerne verpixelte Filme in mieser Qualität an, wenn man gute Qualität für sagen wir 99 Cent bekommen kann – vollkommen legal. Und auch noch ohne blinkende Porno-Pop-Ups und Wann-wirst-du-sterben-Layer-Ads.
Was nämlich gerne ignoriert wird, ist, dass da nicht ein Haufen anarchistischer Krimineller aus bösem Willen auf die illegalen Streaming-Dienste zurückgreift, sondern ein bunt gemischtes Publikum aus der ganzen Bevölkerung aus Mangel einer vernünftigen Alternative.
Man müsste nur mal aufwachen und etwas tun.
(Ähnliche Gedanken zum Thema äußerte schon vor einiger Zeit Marcel und zwar hier.)